In dieser Kurzfolge von RaDiHum20 bereiten wir euch auf die DHd2026 in Wien vor und stellen eine weitere Stimme aus der Wiener Digital-Humanities-Landschaft vor. Wir sprechen diesmal mit Andreas Baumann, der an der Universität Wien im Bereich der digitalen Linguistik tätig ist.
Im Gespräch geht es vor allem um ein zentrales Thema: Sprachvielfalt. Andreas erklärt, wie sich Sprache über verschiedene Zeiträume verändert, von Jahrhunderten bis zu wenigen Jahrzehnten, und warum Variation, Vielfalt und Komplexität dabei wichtig sind. Er untersucht diese Vielfalt sowohl innerhalb der Sprache, zum Beispiel bei Bedeutungsvarianten oder Synonymen, als auch außerhalb, etwa in verschiedenen Regionen, Sprachräumen und weltweiten Entwicklungen.
Ein aktuelles Forschungsprojekt beschäftigt sich damit, wie die Digitalisierung die weltweite Sprachlandschaft verändert. Gemeinsam mit Kolleg*innen der Universität Wien und der TU Wien analysiert Andreas große Datenbestände, darunter Zensusdaten, Informationen zu gefährdeten Sprachen sowie digitale Spuren aus sozialen Medien, Webseiten und Wikipedia-Zugriffen. Das Ziel ist, messbar zu machen, ob digitale Technologien die Sprachvielfalt fördern oder verringern, und zu untersuchen, wie sich die Produktion und Nutzung von Sprache im digitalen Raum unterscheiden. Dafür werden statistische Methoden, maschinelles Lernen und Modelle verwendet, die ursprünglich aus anderen Bereichen wie der Ökologie oder der Evolutionsforschung kommen.
Ein persönliches Schmankerl darf auch in dieser Folge nicht fehlen: Andreas erzählt von einem Projektbüro in der Hofburg, oberhalb des Sisi-Museums, einem Ort, an dem digitale linguistische Forschung, historische Architektur und touristischer Alltag auf ungewöhnliche Weise zusammenkamen. Für ihn ein schönes Beispiel dafür, wie in Wien Altes und Neues ineinandergreifen.
Zum Ende des Gesprächs richtet sich der Blick konkret auf die DHd2026. Andreas spricht über das Konferenzmotto „Nicht nur Text, nicht nur Daten“ und verbindet es mit seiner eigenen Forschung, die sich bewusst nicht auf reine Textdaten beschränkt. Sein persönlicher Beitrag zur DHd-Konferenz liegt in der Organisation des Rahmenprogramms: Exkursionen führen unter anderem zur Österreichischen Akademie der Wissenschaften, in Museen und zum Bundesdenkmalamt, das für Andreas selbst eines der Highlights darstellt. Sein Wunsch an die Teilnehmenden: Die Konferenz nicht nur im Hörsaal zu erleben, sondern auch Wien und seine vielfältigen Institutionen zu entdecken.
Und wer unser neues exklusives Konferenz-Intro hören will, muss sich die Tonspur zur Folge anhören.
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Link zur Konferenzseite: https://dhd2026.digitalhumanities.de/
Link zum Programm: https://dhd2026.digitalhumanities.de/?page_id=501
Link zum Rahmenprogramm: https://dhd2026.digitalhumanities.de/?page_id=501
Hofburg und Sisi-Museum: https://www.sisimuseum-hofburg.at/