DHd2026: Impressionen zusammengestellt von RaDiHum20

In dieser Folge nehmen wir euch direkt mit nach Wien zur 12. Jahreskonferenz der Digital Humanities im deutschsprachigen Raum. Wie in den vergangenen Jahren haben wir auch diesmal wieder Mikrofon und Aufnahmegerät eingepackt, um für euch Eindrücke von der Konferenz einzufangen: Stimmen aus Workshops und Panels, kurze Gespräche mit Teilnehmenden, Ausschnitte aus den Keynotes von Miriah Meyer und Katharina Kinder-Kurlanda und ein paar akustische Momentaufnahmen aus einer intensiven Konferenzwoche. Die DHd 2026 stand unter dem Motto „Nicht nur Text, nicht nur Daten“. Damit rückte die Konferenz einmal mehr die Vielfalt der Digital Humanities in den Mittelpunkt.

Wir sprechen über unsere eigenen Erfahrungen auf der Konferenz, die mit einem Workshop zur Modellierung geschlechtlicher Diversität und dem Gender Data Gap in den Digital Humanities begann. Dabei ging es um Fragen, die viele Projekte betreffen: Wie lässt sich Geschlecht in Forschungsdaten überhaupt sinnvoll modellieren? Welche Probleme entstehen, wenn komplexe und fluide soziale Kategorien in starre Datenstrukturen übersetzt werden müssen? Und wie können Forschende sensibel mit historischen Quellen umgehen, ohne dabei problematische Zuschreibungen oder Zwangsoutings zu reproduzieren? Ab Mittwoch startete das Hauptprogramm der Konferenz mit zahlreichen Panels und Vorträgen, die parallel stattfanden. Wie immer war die Auswahl für uns nicht leicht: fünf parallele Sessions bedeuteten auch diesmal, dass man sich ständig entscheiden musste, welche Themen man verfolgen möchte. Neben klassischen DH-Themen wie Netzwerkanalyse, Textmodellierung oder digitaler Editionsarbeit spielte auch die Frage eine große Rolle, wie Daten entstehen, wie sie modelliert werden und welche impliziten Annahmen dabei eine Rolle spielen.

Die Kurzinterviews mit einigen Teilnehmende handeln von ihren eigenen Projekten und Eindrücken der Konferenz.

Mit Franziska Naether (Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig) sprechen wir über den schon beschriebenen Workshop „Beyond m/w/d? Perspektiven auf die Modellierung geschlechtlicher Diversität und den Gender Data Gap in den Digital Humanities“. Im Gespräch betont Franziska, wie wichtig es ist, Geschlechtszuschreibungen aus den Quellen heraus zu denken und sensibel mit historischen und personenbezogenen Daten umzugehen. Auch Philipp Sauter (Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig) beschreibt die Herausforderungen, geschlechtliche Diversität in Datenmodellen abzubilden. Philipp hebt hervor, dass starre Datenstrukturen häufig nur schwer mit fluiden sozialen Kategorien wie Gender vereinbar sind und dass diese Problematik viele DH-Disziplinen betrifft. Robin Luger studiert an der Universität Wien und erzählt uns beispielsweise von der Arbeit zur Netzwerkanalyse der Aktivist*innen rund um die Stonewall-Bewegung. Gleichzeitig betont Robin, wie wichtig die inter- und transdisziplinäre Perspektive der Digital Humanities für gute Arbeiten ist. Auf der DHd-Konferenz zeigt Robin Luger ihre Forschung im Beitrag „Mapping Stonewall“ im Rahmen des Doctoral Consortiums. Thomas Jäger, Datenmanager am Lehrstuhl für digitale Editorik an der Uni Wien, spricht mit uns über die Rolle von Modellen in den DH. Für ihn besteht der Kern digitaler Forschung darin, Modelle der Wirklichkeit zu entwickeln und zu fragen, welche Interpretationen und Konsequenzen daraus entstehen. Lukas Weimar von der SUB Göttingen stellte im Rahmen eines Posters die Basisdienste des Projekts Base4NFDI vor und sprach darüber, welche Rolle Infrastruktur für die Arbeit mit Texten und Daten spielt. Julia Neubauer vom Germanischen Nationalmuseum stellte das Projekt SODA – Sammlung Objekte Datenkompetenzen vor, das sich mit Datenkompetenzen im Umgang mit wissenschaftlichen Sammlungen beschäftigt. Ein zentrales Element ihres Posters war der sogenannte Semantic Coworking Space, eine Web-Anwendung, die verschiedene Werkzeuge für die Arbeit mit Sammlungsdaten bündelt.

Neben den wissenschaftlichen Beiträgen bot die Konferenz natürlich auch wieder viele Gelegenheiten zum Austausch, Ratschen und Scherzen. Der Poster Slam, der für viele der Höhepunkt der DHd-Konferenz ist, sorgte auch dieses Jahr wieder für eine lebendige Präsentation der Posterbeiträge. Und auch abseits der Vorträge spielte die persönliche Begegnung mit anderen Forschenden eine große Rolle und dafür gab es wie immer genügend Zeit: bei Gesprächen in den Kaffeepausen, beim gemeinsamen Mittagessen, der Eröffnungsfeier oder beim Empfang im Wiener Rathaus, der mit seiner besonderen Atmosphäre sicherlich vielen in Erinnerung bleiben wird.
Überhaupt zeigte sich einmal mehr, dass die DHd-Konferenz nicht nur ein Ort für wissenschaftliche Präsentationen von Fakten ist, sondern vor allem auch ein Raum für Begegnung. Viele Teilnehmende betonten in den Interviews, wie wichtig es ist, Kolleg*innen aus unterschiedlichen Disziplinen wiederzusehen, neue Kontakte zu knüpfen und Ideen weiterzudenken.

Wir hoffen, dass euch diese Impressionen einen kleinen Einblick in die DHd 2026 geben – und vielleicht auch ein wenig von der Atmosphäre dieser Konferenz nach Hause transportieren, für all diejenigen, die nicht vor Ort sein konnten und für alle, die nicht genug DHd bekommen können.

Vielen Dank an alle Gesprächspartner*innen, die sich Zeit für ein kurzes Interview genommen haben, und natürlich an das Organisationsteam der DHd 2026 für eine rundum gelungene Konferenz in Wien. Danke auch besonders an Lisa Teichmann für das Intro und ihre Unterstützung bei den Interviews.
Es war uns ein Fest. Danke für eine Woche voller schöner Momente!

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