RaDiHum20 spricht mit Axel Pichler über die Wiener Digital Humanities (DHd2026)

In dieser Kurzfolge von RaDiHum20 setzen wir unsere Reihe zur DHd2026 in Wien fort und sprechen mit Axel Pichler von der Universität Wien.

Axel gibt uns Einblicke in mehrere aktuelle Projekte, die sich mit generativer KI und literaturwissenschaftlicher Methodik beschäftigen. Gemeinsam mit Kolleg*innen untersucht er, inwiefern sich das Outputverhalten großer Sprachmodelle mit literaturwissenschaftlichen Interpretationsstandards vergleichen lässt. Daneben arbeitet er an einem Workflow zur Evaluation generierter Gedichtinterpretationen sowie an einer Studie zur literaturgeschichtlichen Textpraxis im Kontext von LLMs. Im Gespräch wird schnell deutlich: Eine pauschale Bilanz zur Eignung von KI in der Literaturwissenschaft gibt es nicht. Ob Large Language Models sinnvoll einsetzbar sind, hängt stark von Datensatz, Fragestellung und methodischem Design ab. Wir sind der Meinung, dass die Modelle momentan als Coding-Assistenten besonders hilfreich sind. Gleichzeitig betont Axel die Verpflichtung zur sorgfältigen Validierung: Auch KI-generierte Ergebnisse müssen kritisch geprüft und methodisch reflektiert werden.

Wir stellen uns auch gemeinsam die Frage, warum Literaturwissenschaftler*innen mit digitalen Methoden arbeiten sollten. Axel nennt methodische, strategische und praktische Gründe. Digitale Ansätze erzwingen Transparenz, machen theoretische Annahmen explizit und fördern den präzisen Begriffsgebrauch. Zugleich erweitern sie das methodische Werkzeugset, insbesondere im Bereich der Data- und KI-Literacy, die in einer zunehmend digitalisierten Forschungslandschaft zunehmend unverzichtbar werden. Gerade im Bachelorstudium, so seine Erfahrung, schätzen Studierende diese klare, modulare Herangehensweise.

Wir sprechen außerdem über die Entwicklung der Digital Humanities in Wien. Nach über 15 Jahren und Stationen u.a. in Stuttgart und Berlin kehrte Axel im April 2025 an die Wiener Universität zurück und beschreibt nun eine deutlich gewachsene, institutionell breit aufgestellte DH-Landschaft. Neben der Literaturwissenschaft spielen insbesondere die Sprachwissenschaften, Editionsprojekte und Einrichtungen wie das Austrian Centre for Digital Humanities and Cultural Heritage eine zentrale Rolle. Die DHd2026 spiegelt diese Vielfalt wider.

Zum Konferenzmotto „Nicht nur Text, nicht nur Daten“ hat Axel eine klare Position: Auch die digitale Textwissenschaft arbeitet nicht nur mit Zeichenketten, sondern auch mit Bedeutungen, Praktiken und Interpretationen. Auf der DHd2026 in Wien werden er und Julian Schröter einen Beitrag zur hypothetisch-deduktiven Methode als Evaluationsinstrument für LLMs präsentieren.
Und wer zwischen Panels und Diskussionen einen Kaffee sucht, der sollte einen Abstecher Richtung Nestroyplatz oder in den siebten Bezirk machen. Wien bietet eben nicht nur historische Kaffeehauskultur, sondern auch moderne Varianten jenseits der touristischen Wege.

Und wenn ihr wissen wollt, weshalb der beste Kaffee angeblich im zweiten Bezirk steht: Reinhören.

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