RaDiHum20 spricht mit Gabriel Viehhauser über die Wiener Digital Humanities (DHd2026)

In dieser Kurzfolge von RaDiHum20 geht es weiter mit den Vorbereitungen für die DHd2026. Dafür ist Gabriel Viehhauser erneut bei uns im Podcaststudio zu Gast. 

Im Interview erzählt Gabriel, woran in Wien gerade geforscht wird. Ein wichtiges Projekt heißt „Scalable Reading“ und beschäftigt sich mit Gesamtausgaben aus dem 18. Jahrhundert. Ziel ist es, diesen besonderen Buchtyp genauer zu untersuchen: Wie entwickeln sich Gesamtausgaben, welche Bedeutung haben sie für Autorinnen und Autoren sowie für Verlage, und kann man literaturwissenschaftliche Annahmen direkt am Material überprüfen? Besonders herausfordernd sind dabei digitale Aspekte wie komplexe Layouts mit mehreren Ebenen von Fußnoten und Apparaten sowie Methoden, um Unterschiede zwischen verschiedenen Ausgaben sichtbar zu machen. 

Gabriel gibt zudem Einblicke in seinen eigenen Beitrag zur DHd2026, der aus einem aktuellen Editionsprojekt hervorgegangen ist. Vorgestellt wird ein generisches Editionsmodul, das den Vergleich unterschiedlicher Textversionen ermöglicht und auf bestehenden Infrastrukturen der ÖAW aufsetzt. Im Zentrum stehen dabei Fragen der Nachhaltigkeit, der Wiederverwendbarkeit und des Minimal Computing: Statt projektindividueller Einzellösungen geht es um modulare Werkzeuge, die sich auch für zukünftige Editionen adaptieren lassen. Der Beitrag thematisiert damit nicht nur editorische Praxis, sondern auch grundsätzliche infrastrukturelle Entscheidungen in den Digital Humanities. Daneben entsteht in Wien ein neues Editionsprojekt zu einem mittelalterlichen Text von Priester Werner, dessen Überlieferungslage besonders instabil ist. Gerade diese fehlende „Leithandschrift“ macht den Text, so Gabriel, zu einem idealen Fall für eine digitale, hybride Edition. Ergänzt werden diese Projekte durch übergreifende Forschungsinteressen an Varianzforschung, Intertextualität und computergestützter Text-Reuse-Analyse – Themen, die zuletzt auch in einem Workshop unter dem Titel Relayed – Reuse – Revise diskutiert wurden, nicht zuletzt vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen rund um Large Language Models. 

Im Gespräch wird deutlich, dass sich die besondere Größe und institutionelle Vielfalt Wiens auch in der Ausrichtung der Konferenz widerspiegelt. Die DHd2026 profitiert nicht nur von der Universität Wien, sondern auch von der engen Anbindung an außeruniversitäre Einrichtungen wie die Österreichische Akademie der Wissenschaften. Wien bietet damit ein Umfeld, in dem Digital Humanities nicht als Randphänomen, sondern als integraler Bestandteil geisteswissenschaftlicher Forschung sichtbar werden. 

Zum Ende des Gesprächs richtet sich der Blick konkret auf die DHd2026 in Wien, die kurz bevorsteht. Gabriel spricht offen über die Mischung aus Vorfreude und organisatorischem Stress, die die letzten Wochen vor einer großen Konferenz prägen. Gleichzeitig betont er, dass die DHD in Wien von vielen Schultern getragen wird: Ein großes Organisationsteam ermöglicht es, Aufgaben zu verteilen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, auch wenn die Endphase der Planung naturgemäß arbeitsintensiv bleibt. Abschließend lädt Gabriel dazu ein, die DHd2026 nicht nur als Konferenz, sondern auch als Gelegenheit zu verstehen, die Digital Humanities in Wien und Österreich kennenzulernen. Neben dem wissenschaftlichen Programm verspricht die Tagung ein vielfältiges Rahmenangebot und die Möglichkeit, eine Stadt zu erleben, die durch ihre dichte Forschungslandschaft und ihre kulturelle Vielfalt geprägt ist. 

Und wer jetzt noch überlegt, ob sich ein Blick nach Wien lohnt: Wir sagen ja. Am besten diese Folge hören und dann das Zugticket zur DHd2026 buchen. 

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Link zur Konferenzseite: https://dhd2026.digitalhumanities.de/
Link zum Programm: https://dhd2026.digitalhumanities.de/?page_id=501

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