RaDiHum20 spricht mit Markus Frank über Projektmanagement

Für unsere heutige Folge haben wir Markus Frank eingeladen. Markus ist an der LMU München in der IT-Gruppe Geisteswissenschaften beschäftigt. Zudem arbeitet er als Studiengangskoordinator, ist in der Lehre tätig und arbeitet an mehreren Projekten mit.

Mit Markus haben wir uns über das Thema Projektmanagement unterhalten. Inwiefern die Methoden und Tools aus dem Werkzeugkasten des Projektmanagements in Digital Humanities-Projekten anwendbar sind, ist eine komplexe Frage. Jedes DH-Projekt ist individuell, insbesondere was die Konstellation und Einbettung der beteiligten Disziplinen betrifft, sodass hier keine pauschalen Antworten möglich sind. Gleichwohl ist gerade hierdurch die Notwendigkeit nach einem guten Projektmanagement gegeben – das bedeutet auch, die Rationalitäten projektförmigen Arbeitens mit den Rationalitäten der (klassischen) Geisteswissenschaften zusammenzubringen (ein Beispiel ist die Iterativitätslogik agiler Methoden und die Wasserfalllogik geisteswissenschaftlicher Erkenntnisproduktion). Oftmals sind die Herausforderungen kommunikativer Natur.

(Digital) geisteswissenschaftliche Projekte sollen entweder gut zum Abschluss gebracht werden oder dienen der Qualifizierung von Nachwuchswissenschaftler:innen. Beide Ansätze sind in der Praxis nur schwerlich miteinander vereinbar. Daraus ergibt sich auch die Problematik, dass gut funktionierende Teams nach Projektabschluss wieder auseinandergehen. Wünschenswert wäre es, aufgebautes Know-how und Potenzial für weitere Projekte nutzen zu können, was die Bedeutung des Projektmanagements noch weiter stärkt.

Zum Projektmanagement als Methode eines effizienten Umgangs mit knappen Ressourcen äußert sich ab Minute 17:17 Marina Lemaire (Statement-Snippet). Es geht beim Projektmanagement also nicht primär um eine Ökonomisierung der Wissenschaft, sondern um das effizientere und effektivere Nutzen von Zeit, Geld, Personal und digitalen Infrastrukturen. Dies ist auch wichtig aus Gründen des Arbeitnehmer:innenschutzes, um mangelhafte Projektverwaltung nicht durch Überbelastung der Mitarbeitenden zu kompensieren. Hiermit hängt aber auch zusammen, dass Projekte in den DH oftmals sehr knapp geplant werden. Konträr dazu werden eigene Mittel für Projektmanagementstellen in Forschungsanträgen quasi nie beantragt.

Ab Minute 27:47 sprechen wir über mögliche Gründe für den schlechten Stand des Projektmanagements in den (digitalen) Geisteswissenschaften. Ein Hauptfaktor dürfte die geringe Reputierung von Projektmanagementfähigkeiten, -erfahrungen und -zertifikaten sein, ausschlaggebend sind immer noch gute Publikationen. Zudem ist die traditionelle geisteswissenschaftliche Forschung praktisch Einzelforschung, sodass Projektmanagement hier bisher irrelevant war.

So ist es auch gar nicht so einfach, sich Zusatzqualifikationen in dieser Richtung anzueignen, da diese im klassischen Qualifikationsprozess nicht bedacht worden sind. Zertifikate kann man theoretisch machen, diese sind aber primär für die Wirtschaft ausgelegt. Universitäre Kurse sind eine gute Möglichkeit, die von geisteswissenschaftlichen Studierenden aber noch stärker frequentiert werden könnten bzw. müssten.

Insgesamt gibt es schon den wissenschaftspolitischen Willen, die Rolle des Projektmanagement in den (digitalen) Geisteswissenschaften zu stärken, das sieht man auch an der DHd-Community. Allerdings gibt es nach wie vor nur sehr wenige Publikationen zu diesem Thema und auch die Möglichkeiten, Mittel für Projektmanagement bei Förderinstitutionen zu beantragen, sind bislang noch gering. Der Weg ist also noch weit.

Da Mittel für ein dezidiertes Projektmanagement nur schwerlich mitbeantragt werden können, ist es umso wichtiger, entsprechende Kompetenzen in den Studiengangs-Curricula zu verankern – auf diesen Aspekte weist Martin Sievers in seinem Statement ab Minute 42:54 hin.

Wenn man sich selbst weiterbilden möchte, gibt es durchaus viel Projektmanagementliteratur oder auch Online-Vorlesungen (z. B. die von Markus selbst, zu finden hier: https://cast.itunes.uni-muenchen.de/vod/playlists/9azBttYvGK.html).

Insgesamt ist aber auch darauf hinzuweisen, dass gutes Projektmanagement nur umsichtig mit den Ressourcen umgehen kann, die vorhanden sind. Sind von vorneherein zu wenig Ressourcen beantragt, ist das Projekt (egal, wie gut das Management ist) zum Scheitern verurteilt. In DH-Projekten droht diese Gefahr insbesondere bei der (Unter-)Dimensionierung von IT-Stellen.

Um die Rolle des Projektmanagements zu stärken, müssten also Aktivitäten auf mehreren Ebenen entfaltet werden: Zum einen müssen Fördermittel-gebende Institutionen etwas offener sein, was die Bewilligung von entsprechenden Mitteln betrifft, zum anderen müssten die Fächer gute Projektmanagementkompetenzen stärker reputieren und eine größere Akzeptanz hierfür herstellen. Projektmanagementstellen sollten stärker (und vor allem: dauerhafter) in Forschungsinstitutionen verankert und insbesondere mit Personen besetzt werden, die sowohl Fach- als auch IT-Kenntnisse besitzen.

In der Folge erwähnte Links und Ressourcen:

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